Beflügelt von der Liebe, getrieben von der Liebe, geborgen in der Liebe: Seit jeher treibt die Menschen das Geheimnis der Liebe um. Unzählige Gedichte, Geschichten und Märchen erzählen davon.
Im Rahmen der Abendanlässe der Kirchgemeinde Stein rund ums Thema «Liebe» erzählt der Geschichtenerzähler Wolfram Fischer unterhaltsame und hintersinnige Geschichten voller Liebe, untermalt und umrahmt mit Musik.
* * *
Erzählen werde ich folgende Geschichten und Märchen:
Auf zwei Wegen … Über ein unverhofftes Treffen von zwei jungen Menschen.
Das besprochene Wasser Eine russische Erzählung vom Streiten und Versöhnen.
Der stille Prinz Ein versponnenes Märchen mit drei Nächten und drei Liebesgeschichten.
Geteilte Weisheit Eine mongolische Geschichte von Khan Boulabek und der Liebe seiner Frau Darishma.
Gedichte:
Hohelied 7,12-13 (Altes Testament)
Wurzeln und Flügel (Ernst Ferstl)
Rudern zwei (Reiner Kunze)
Musik werde ich am Klavier spielen und an anderen Instrumenten, u. a. von Charles Chaplin, Wiliam Gillock, Joseph Kosma sowie eigene Stücke.
Literaturhinweise:
Auf zwei Wegen …: Orientalische Liebesgeschichte. In: Marlis Arnold: 3-Minuten-Märchen aus aller Welt, Ullmann 2001.
Frau Wolle: Das besprochene Wasser. Katholischer Familienverband Tirol, o.J.
Dan Yashinsky: The Silent Prince. In: Dan Yashinsky: Suddenly They Heard Footsteps. Storytelling for the Twenty-first Century, Mississippi 2006: S. 277-284.
Der Stille Prinz. In: Rätsellust und Liebeslist. Märchen zum Vor- und Nach-Lesen gesammelt und bearbeitet von Frau Wolle, Innsbruck 2000: S. 13-27.
Frau Wolle: Geteilte Weisheit. In: Honigherz und Seidenstern. Märchen zum Vor- und Nach-Lesen gesammelt und bearbeitet von Frau Wolle, Innsbruck 2003: S. 75-87.
Sonntag, 24.12.2023, 15:00h–16:00h, Pfarrhaussaal Stein AR
Gute Nacht, Herr Landstreicher!
Nach einer Geschichte von Astrid Lindgren
STEIN AR. Um das Warten auf den heiligen Abend etwas zu verkürzen, erzählt der Geschichtenerzähler Wolfram Fischer im Pfarrhaussaal eine weihnachtliche Geschichte.
Es ist eine Geschichte von drei Kindern, die sich sehr auf Weihnachten freuen. Unverhofft müssen die Eltern weggehen. Und die Kinder bleiben allein zuhause. Damals gab es noch kein Handy und noch nicht einmal einen Fernseher. Aber dass sie allein waren, fanden sie trotzdem nicht so schlimm, denn sie wollten noch viel Christbaumschmuck basteln. Dann, als sie so vertieft in ihre Arbeit waren, klopfte es auf einmal an der Tür. Und dieser unerwartete Besuch überraschte sie sehr . . .
Das ist der Anfang der spannenden, lustigen und auch ein wenig nachdenklich machenden Geschichte von Astrid Lindgren. welche Wolfram Fischer frei erzählt. Dazu spielt er Musik, und wir singen weihnachtliche Lieder.
Nach der Geschichte könnt ihr – wie die Kinder in der Geschichte – auch noch selber einen wunderschönen Scherenschnitt-Stern basteln.
Literaturhinweis und Bildquelle:
Astrid Lindgren: Gute Nacht, Herr Landstreicher! In: Bauer J, Kantelhardt A: Es war eine dunkle und stürmische Nacht. Vorleseklassiker. Gerstenberg 2001: S. 101-108.
ST. GALLEN. Ich freue mich, dass ich von MOBILE, dem Freiluftparlament, wieder eingeladen worden bin, eine Geschichte beim Frauenpavillon im Stadtpark St. Gallen zu erzählen.
Ich habe eine meiner Lieblingsgeschichten ausgewählt: Die Geschichte vom stillen Prinz. Sie dauert etwa eine halbe Stunde.
Für diese Geschichte hat der kanadische Erzähler Dan Yashinsky drei Märchenmotive in eine versponnene Rahmengeschichte von drei Nächten verwoben. In jeder Nacht gibt es eine Geschichte. Und den Zuhörer:innen wird auch noch ein Rätsel gestellt.
Bild: Sich strecken, bevor es am Morgen beim König und der Königin weiter geht. [Foto: freiluftparlament.ch]Auszug aus dem Rahmenprogramm von MOBILE:
• Ab 14:00 eritreischer Kaffee mit Rigbe.
• Fallschirm-Spiele 15:45-16:15 mit mir.
• Somalisches Essen vom Feuer ab 18:00.
Bild: Spiele mit dem Fallschirm. [Foto: freiluftparlament.ch]
Mittwoch, 24.05.2023, zwischen 15:00h und 16:00h, tiRumpel, Stahlstrasse 3, St. Gallen
ST. GALLEN. Jeden Mittwoch gibt es im Waldau-Quartier ab 14 Uhr einen Kindertreff für Kinder von 4 bis 12 Jahren. Zum Vorlesetag wird eine kleine Bühne eingerichtet. Kinder haben Geschichten aufgeschrieben. Die mutigen können ihre Geschichte ab 15 Uhr am offenen Mikrofon vortragen.
Ich freue mich, dass ich auch dieses Jahr wieder eingeladen wurde, eine kurze Geschichte vorzulesen. Ausgewählt habe ich eine Abenteuer-Geschichte von Leo Lionni: «Nicolas, wo warst du?»
Die Geschichte handelt von Nicolas und seinen Mäusefreunden. Sie finden nur blassrosa Beeren. Denn die roten süssen Beeren wurden von den Vögeln bereits gepflückt. Die Mäuse sind sehr wütend über die Vögel und wünschen sie zum Teufel.
Nicolas denkt, dass es irgendwo doch noch rote Beeren geben muss. Er macht sich allein auf die Suche. Da wird er von einem grossen, hässlichen Vogel gepackt. Und nun erlebt er ein unglaubliches Abenteuer …
Literaturhinweis und Bildquelle: Leo Lionni: Frederick und seine Mäusefreunde. Sieben Mäusegeschichten. Beltz 2017.
ST. GALLEN. Ich erzähle wieder zwei Geschichten, diesmal im Mobilen Freiluftparlament beim Frauenpavillon im Stadtpark St. Gallen:
In der Geschichte von der schnellen Häsin geraten die grossen und kleinen Tieren in einen turbulenten Streit. Trotzdem versammeln sie sich immer wieder, um zusammen ihre Probleme zu besprechen. (Also haben auch sie eine Art «Freiluftparlament».) Nur dank des Mutes und der Ideen von Kleinen kommt es zu einer überraschenden Lösung. (Nach einer von John Kilaka tradierten Fabel aus Tansania.)
In der Geschichte vom «Geburtstagsfest von Banja» merkt Laura, dass ihr Vater Angst vor Fremden hat, besonders vor Schwarzen Menschen. Lauras beste Freundin ist Banja. Deren Familie kommt aus Tansania. Nun hat Banja Geburtstag, und sie lädt Laura ein zu ihrem Fest. Da hat Laura ein Problem: Wie kann sie den Vater dazu bringen, dass er das erlaubt? Sie denkt sich eine List aus . . . (Zum Erzählen eingerichtet nach Rafik Schami: Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm.)
Anschliessend gibt es Spiele. Und um 18:30h gibt es Essen vom Feuer mit Spezialitäten aus dem Balkan.
Foto: freiluftparlament.ch
Übrigens: Das Mobile Freiluftparlament ist mit verschiedensten anregenden Aktivitäten jeden Tag vom 26. August bis zum 4. September im Stadtpark, jeweils ab 15:00h. Jeden Tag gibt es auch um 18:30h Essen vom Feuer mit Spezialitäten aus Anatolien, Somalia, Äthiopien, dem Balkan oder der Schweiz . . .
Literaturhinweise, Bildquelle:
John Kilaka: Schneller Hase. Ein Bilderbuch aus Tansania. Baobab 2018, 36 S., ISBN 978-3-905804-86-7. [Bildquelle]
Samstag, 28.5.2022, 12:15h und 15:30h, Gallusplatz St. Gallen
Geschichten von Angst und Mut, von Freunden und Fremden
ST. GALLEN. Das SUFO – das Sozial- und- und Umweltforum Ostschweiz – findet wieder statt! In diesem Jahr mitten in St. Gallen: Auf dem Gallusplatz. Dort werdet ihr im kunterbunten Treiben auch meine Geschichten hören können.
MITTAG
Am Mittag um 12:15 bis 12:30 erzähle ich eine kurze Geschichte als Strassenkünstler, zwischen den Markständen und Wohnwägelchen.
NACHMITTAG
Im Atelier am Nachmittag von 15:30 bis 16:30 sind zwei Geschichten zu hören:
Rafik Schami hat eine witzige Bilderbuch-Geschichte geschrieben mit dem Titel: «Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm». Er nimmt in dieser humorvollen Geschichte sowohl die Afrikaner als auch die Europäer hoch: Die Afrikaner, weil sie beim Geschichtenerzählen gerne etwas übertreiben, die Europäer, weil sie manchmal übertriebene Angst vor Fremden haben, weil sie sie nicht kennen.
Ich erzähle die Geschichte frei nach und untermale sie mit Daumenklavier und Dschembe.
Im zweiten Teil erzähle ich die Geschichte von der mutigen und listigen Häsin, die in einer lebensgefährlichen Aktion den Kampf gegen den mächtigen Löwen wagt.
Mittwoch, 18.05.2022, zwischen 15:00h und 16:00h, tiRumpel, Waldaupark St. Gallen
ST. GALLEN. Jeden Mittwoch gibt es im Waldau-Quartier ab 14 Uhr einen Kindertreff für Kinder von 4 bis 12 Jahren. Zum Vorlesetag wird eine kleine Bühne eingerichtet. Kinder haben Geschichten aufgeschrieben. Die mutigen können ihre Geschichte ab 15 Uhr am offenen Mikrofon vortragen.
Ich freue mich, dass auch ich eingeladen wurde, eine kurze Geschichte vorzulesen.
Foto: Kathrin Rieser
Als Geschichte habe ich eine spannende und lustige Räubergeschichte von Catharina Valckx ausgewählt: «Pfoten hoch!»
Weil die Bilder im Bilderbuch für die vielen Zuhörer:innen zu klein sind, hatte ich aus der Bibliothek Kamishibai-Bilder ausgeliehen und auf meiner «Erzählbilderbühne» gezeigt.
(Die Erzählbilderbühne geht so: Auf einem Notenständer befestige ich einen grossen Wellkarton, lege ein schwarzes Tuch darüber, stelle anschliessend die aufeinanderliegenden Bilder drauf und bedecke das Ganze nochmals mit einem schwarzen Tuch als Vorhang.)
Die Geschichte handelt von Billy, einem Hamster. Sein Vater ist ein berühmter Gangster. Er will, dass Billy auch ein Gangster wird. Aber weil Billy viel zu nett ist, muss er zuerst üben. Mit einem ungeladenen Revolver muss er die Tiere erschrecken und schreien: «Pfoten hoch!»
Doch die Tiere erschrecken nicht: Der Regenwurm hat keine Pfoten. Das Mausmädchen hat vier Pfoten. Der Hase blitzt nur vorbei. Weil er vom Fuchs gejagt wird!
Als der Fuchs den Regenwurm essen will, bedroht ihn Billy. In grosser Angst rennt der Fuchs schnell davon. Billys Vater ist stolz. Aber Billy sind die neuen Freunde wichtiger.
Literaturhinweis: Catharina Valckx: Pfoten hoch! Moritz 2011.
Geschichten aus dem Orient mit anatolischem Bettmümpfeli
Zu ihrem ersten Anlass in dieser Saison hat die Lesegesellschaft Stein AR den Geschichtenerzähler Wolfram Fischer von «ennet der Brücke» aus St. Gallen Haggen gewinnen können.
Angekündigt waren Geschichten aus dem Orient, Musik aus Kurdistan und Pausengebäck aus Anatolien. Sich darunter etwas Konkreteres vorzustellen, war nun allerdings nicht so einfach. Im Verlaufe des Abends wurde dann Einiges klarer und greifbarer:
Wolfram Fischer erzählte frei und sehr lebhaft Geschichten aus der Türkei und aus Turkestan, die er teils gelesen und teils gehört hatte. Mehr als einmal gab es etwas zum Lachen, dann wieder wurde es vor lauter Spannung oder auch Ergriffenheit ganz still im Pfarrhaussaal.
Er erzählte nicht nur tradierte Geschichten; er berichtete auch von den Erlebnissen, die er hatte, als er diesen Geschichten zum ersten Mal begegnete: Eine der Geschichten zum Beispiel hatte ihm der Musiker Refik Herekol bei den Proben zu den Geschichten von Nasredin Hodscha erzählt. Von diesem «weisen Narren» werden in vielen Ländern — von Afghanistan über die Türkei und Ägypten bis Marokko — unzählige Geschichten erzählt. Und wenn einer eine von diesen oft witzigen und hintersinnigen Kürzest-Geschichten erzählt, dann erzählt ein anderer bestimmt eine weitere . . .
Eine andere Geschichte — die Geschichte von den drei Brüdern und dem Geheimnis — hatte er erst kürzlich unverhofft während eines kurdischen Abendessens gehört, von der Mutter seines Schwiegersohnes, die in diesem Sommer zum ersten Mal nach Europa gekommen war, um beim Hochzeitsfest ihres Sohnes dabei sein zu können.
Mit ihren Instrumenten, einem Saz (Bağlama: einer türkischen Laute), einem Def (Erbane: einem sehr grossen Tamburin) und am Schluss auch mit Gesang entführten die Musiker:innen Refik Herekol und Funda Gallatti die Zuhörer:innen in die Welt der kurdischen Volksmusik: Manchmal fröhlich und mitreissend, manchmal sehnsüchtig und wehmütig.
Und Aynur Ovayolu Yergin buk für diesen Abend feine pikante Perperoni-Brötchen und wunderbar luftige Pohatschas (Hefebrötchen gefüllt mit etwas türkischem Weisskäse).
Manche der Zuhörer:innen nutzten die Gelegenheit, mit ihr und den Musiker:innen während der Pause ins Gespräch zu kommen, über das Gebäck, über die Instrumente und auch über ihr Leben und ihre zeitweise sehr abenteuerlichen und bedrohten Lebenswege.
So konnte man sich an diesem Abend nicht nur von Geschichten aus einer fremden Welt packen lassen; man konnte sich auch von kurdischer Musik berühren und von unbekanntem feinem anatolischem Gebäck überraschen lassen. Und man konnte mit Menschen ins Gespräch kommen, mit denen man sonst möglicherweise kaum gesprochen hätte.
Eine Zuhörerin schrieb mir: «Deine innere Präsenz, deine lebendige Erzählweise, der gut gehaltene rote Faden und Spannungsbogen, der Augenkontakt zur Zuhörergruppe, dein Umgang mit Störungen, das Näherbringen von uns fremden Traditionen (ohne moralische Bewertung), die humorvolle Note, dein persönlicher Bezug zur einen Geschichte, das gelungene Einbinden der beiden Musiker und der Cateringfrau Aynur — du hast den Abend wunderbar gestaltet und uns damit reich beschenkt. Vielen DANK dafür! Edith K.»
Literaturhinweise, Bildquelle:
Orientalische Liebesgeschichte. Eine Geschichte aus Turkestan. Aus: Marlis Arnold: 3-Minuten-Märchen aus aller Welt, Ullmann 2001.
Von dem Vater und seinen sechs Töchern. Eine Geschichte aus der Türkei. Aus: Hannelore Marzi (Hrsg.): Orientalische Frauenmärchen, Krummwisch (Königsfurt-Urania), 2013: S. 51–61. Übersetzt und bearbeitet aus: Pertev Naili Boratav: Az Gittik Uz Gittik. Istanbul 1992.
Drei Nasredin-Geschichten: Nasrudin sucht eine Frau; das zu kleine Bett; hundert Goldstücke: Verschiedene schriftliche und mündliche Quellen.
Die drei Brüder und das Geheimnis: Diese kurdischen Geschichte hat uns Berfi K. am 1.9.2021 in St. Gallen erzählt.
Samstag, 19.6.2021, 9:30h, Kirche Stein AR (weitere Daten bis 2025: s. unten)
Unsere Orgel erleben
STEIN. Heute ist es anders in der Kinder-Kirche Stein: Ich darf zu Gast sein bei den 19 (!) Kindern von der 4. Klasse bis zum Kindergarten.
Die Kinder sehen die Orgel immer, wenn sie hier feiern. Aber sie hören sie selten. Denn meist wird sie nur zu den Erwachsenen-Gottesdiensten gespielt. Deshalb sollen sie heute die Orgel erleben und etwas kennen lernen.
Eine fröhliche Kindergruppe sitzt nun vorne im geräumigen Chorraum, zwischen Orgel und Altar, im Kreis, auf Kissen auf dem Boden. Wir schauen auf diese schöne Steiner Orgel. Ich erzähle:
Eine Orgel ist ein besonderes Instrument. Man kann es nicht einpacken wie eine Flöte. Oder auf den Rücken nehmen wie ein Gitarre. Auch hat keines der Kinder eine Orgel bei sich zuhause. Oder schon? — Nein! Denn dafür genügt ein gewöhnliches Zimmer nicht. Es braucht einen grossen Raum. Und dieser ist auch wichtig, weil erst hier die Orgel so richtig schön tönt.
Wir singen ein paar Töne und lauschen dem Hall im Raum. Dann spiele ich ein festliches Stück auf der Orgel. Die Kinder schauen zu, was ich mache; sie schauen die Orgel an; sie hören die Musik.
Was habt ihr gehört? Was habt ihr gesehen? — Die goldene Verzierung. Dass manche Tasten sich von alleine bewegen. Dass ich auch mit den Füssen spiele …
Die Pfeifen sind wie Flöten, die auf dem Kopf stehen. Ich nehme eine Blockflöte hervor. Wie suchen nach den Unterschieden. Und realisieren, dass es bei der Orgel für jeden einzelnen Ton eine eigene Pfeife gibt! Das sind viele, sehr viele.
Wieviele wohl? 100, 1000, 10000? — 100; vielleicht 200, schätzen manche Kinder. — Es hat hier 1464 Pfeifen. Das habe ich mit dem Orgelbauer, der hier in Stein wohnt, berechnet. Die Kinder staunen. Wenn man die Orgel von der Seite anschaut, sieht man, wieviel Platz sie brauchen.
Die Kinder wollen diese Pfeifen auch hören: Die tiefsten Töne! — «Das tönt wie ein Donnergrollen!» — Und nun die höchsten! — «Wie Vogelgezwitscher» — Die lautesten? — Man muss sich ja fast die Ohren zuhalten. — Die leisesten. — «Ein Kuckuck?»
Ja, diese leisen Töne gefallen mir auch so gut. Und ich lasse verschiedene Flötenstimmen ein zweistimmiges Menuett tanzen. Die Kinder sind ganz still.
Wir hören weitere Klänge, z. B. wie Trompeten miteinander plaudern können. Wir erfahren, dass die grösste Pfeife hier — eine «8-Fuss»-Pfeife — 2.4 m hoch ist. Und dass es einen Trick gibt, eine Flötenpfeife tiefer zu machen, ohne sie länger zu machen. Ich spiele den tiefsten Ton auf meiner Blockflöte. Aber es gibt noch einen tieferen: Wenn man nämlich das letzte Loch auch noch schliesst, unten an der Flöte. Aber dazu muss mir ein Kind helfen. — Erstaunte Gesichter!
Die Orgelpfeifen sind der Grösse nach aufgestellt. Das machen nun auch die Kinder. Dann spiele ich den tiefsten Ton der Pfeifen, die man sieht. Er kommt von ganz links. Dann spiele ich den zweit-tiefsten Ton. — Der kommt ja von rechts! — Also muss das zweite Kinder auf die andere Seite stehen. Usw. Am Schluss stehen die Kinder nach der Grösse geordnet ähnlich vor der Orgel wie die Pfeifen oben auf der Orgel.
In einem weiteren Teil darf jedes Kind selbst fünf Töne auf der Orgel spielen. «Laut oder leise?», frage ich. Manche wollen die lautesten Töne spielen, manche ganz leise. Und ich habe eine grosse Arbeit, alle Register zu ziehen oder wieder hineinzustossen. Den Kindern macht es Spass. Und konzentriert klettert jedes Kind auf die Orgelbank, spielt seine fünf Töne und kommt wieder herunter.
Und wieso gibt es überhaupt eine Orgel in der Kirche? «Wenn man in die Kirche geht», flüstere ich — und alle hören mucksmäuschenstill und sehr aufmerksam zu –, «dann ist man leise. Man redet nicht. Man will hier Beten. Spüren, dass Gott bei uns ist. Und Gott auch sagen, dass man sich über ihn freut.»
Deshalb singen wir dann zum Schluss auch noch ein frohes Lied. Aber die Kinder singen zuerst sehr leise. Ich breche nach zwei Takten ab: «Ihr musst lauter singen, sonst höre ich euch nicht.» Und da singen sie kräftig, so kräftig, dass ich noch ein weiteres Register ziehen kann. Und es wird ein fröhlicher Lobgesang, der die Kirche erfüllt.
Nach dem Segensgebet der Leiterin springen die Kinder nach draussen, denn sie wollen — wie versprochen — mit dem Seil, mit dem wir die Grösse der Pfeifen abgemessen haben, noch Seilspringen …
Sonntag, 28.2.2021, gegen Abend, Oberstrasse 281a, St. Gallen
Brif, bruf, braf
Eine Geschichte nach Gianni Rodari
ST. GALLEN. Bei Hochnebel sind meine Frau und ich am Vormittag aufgebrochen und ins Appenzellerland hinüber gewandert; am Nachmittag begleiteten uns die freundlich wärmende Sonne und der blaue Frühlingshimmel wieder nach Hause. In unserer Siedlung sind Kinder am Spielen. Wir kommen ins Gespräch. Wir überlegen miteinander, wie man aus vier Strängen einen schönen Zopf für ein Armbändeli machen kann. N. hat eine Idee. Wir probieren es sofort aus. Und es geht! D. kommt hinzu. Er schaut, was wir machen. Dann: «Haben Sie eine Geschichte?» «Ja», sagte ich, «und du, hast du auch eine Geschichte?» «Ja!», sagt er. — «Erzähle!» — Und D. erzählt uns einen übermütigen Witz. «Weisst du auch, worauf es ankommt, ob eine schwarze Katze Unglück bringt oder nicht?», frage ich. — Verschiedene Antworten kommen aus der kleinen Kinderrunde. — «Es kommt darauf an, ob sie einem Menschen oder einer Maus begegnet.»
«Und was ist nun mit der Geschichte?», hakt D. nach. «Gut. — Eine Geschichte von zwei Kindern: Es waren einmal zwei Kinder, die spielten draussen miteinander. Sie wollten eine Geheimsprache erfinden. Damit niemand sie verstehen konnte. Auf dem Balkon goss eine Frau ihre Blumen.» Ich schaue nach oben, zum Balkon. «Auf dem nächsten Balkon sass ein Mann und las die Zeitung.» Ich schaue zum zweiten Balkon. «‹Brif braf›, sagte das eine Kind. ‹Braf brof›, sagte das andere. Und sie mussten laut lachen, so lustig war das.» Die Kinder lachen auch. Und dann ich erzähle weiter: Von der Frau, auf dem Balkon, welche die Kinder nicht versteht und sie deshalb dumm findet. Und vom netten Mann auf dem Balkon daneben, welcher der Frau erklärt, was die Kinder soeben gesagt haben, nämlich: ‹Heute ist ein super Tag!› und ‹Morgen wird es noch schöner!›. Und so geht es weiter, hin und her. Bis zum überraschendem Schluss, als der nette Mann die mürrische Frau freundlich und witzig mit nur drei Worten daran erinnert, wie schön doch das Leben ist. –
«Machen wir jetzt noch ein Spiel?» – «Ja!» – «Ich will das Drachenspiel machen.» Ich schaue im Rucksack: Ja, da gibt es einen Fetzen! Und schon verteidigt ihn der Drachen gegen die Diebe. Lachen. Springen. Fangen. Sich Freuen. Und es bleibt nicht bei diesem einen Spiel . . . Doch dann, später, ruft eine Mutter zum Nachtessen, und eine zweite auch. Und der Himmel beginnt rotblau einzuschlummern. Zufrieden und müde gehen auch wir nach Hause . . . —
Wieder draussen sein, wandern, grossen Leuten und Kindern begegnen, mit einer kleinen Geschichte und ein paar Spielen den Alltag auffrischen: Ein schöner neuer Anfang in Erwartung des Frühlings.